Agri-PV-Anlage bei Fürfeld öffnete seine Tore

Besichtigung einer der größten innovativen Agri-PV-Anlagen der Region – der Bürger.Energie Agri-PV-Anlage bei Bad Rappenau-Fürfeld – am 9. Juni 2026 im Rahmen des KlimaEnergieDialog Heilbronn.

Wir wurden von Sarah von Keudell (BürgerEnergie Kraichgau Service GmbH) und Daniel Knoll (GF und Projektleiter Fa. Sonnige Projekte GmbH) begrüßt und durch die Anlage geführt. Auf rund 24 ha verfügt sie über 11,43 km laufende Meter bifaziale, senkrecht stehende Solarmodule entlang der Autobahn. Die 7532 Module (je 725 Wp) haben eine Gesamtleistung von 5 MWp. Den Grundaufbau, die Ausstattung und die weiteren Leistungsdaten zeigen die Übersichten unten in der Galerie. Das Projekt wurde auf Initiative von Michael Freiherr von Gemmingen ins Leben gerufen und gemeinsam mit ihm, der BEG Kraichgau und weiteren Akteuren in einer Projektgesellschaft umgesetzt.

Wir erfuhren, dass diese senkrechte Aufständerung eine hohe Stromproduktion morgens und abends ermöglicht, wenn alle klassischen PV-Anlagen noch nicht einspeisen. Der technische Aufwand ist allerdings vergleichbar höher: Mehr Windanfälligkeit erfordert in den Boden getriebene Stahlträger, die Abstände zur landwirtschaftlichen Nutzung zwischen den Modulreihen verlängern die Kabelwege, pro Grundfläche wird weniger Strom erzeugt. Die einzelnen Komponenten sind weitgehend die gleichen wie in klassischen Solarparks. Viele spezifische Details waren zu beachten: Was ist ein optimaler Reihenabstand? Wie stark wirkt sich die Teilverschattung der Modul-Rückseiten aus? Ist es besser die Module längs oder quer zu installieren? Wie viel Sicherheitsabstand werden zwischen den Modulen und den durchfahrenden landwirtschaftlichen Maschinen gebraucht?

Das Projekt kommt völlig ohne gesetzliche EEG-Einspeisevergütung aus. Der Strom wird komplett „am Markt“ über einen langfristigen Strom-Liefer-Vertrag an den Traktorhersteller John Deere verkauft. Das sichert die Finanzierung langfristig ab, da die Stromeerzeugungskosten höher liegen als in klassischen Solarparks.

Das PV-Projekt steht im baurechtlich privilegierten 200m-Streifen entlang der Autobahn ohne Flächennutzung- und Bebauungsplan. Deshalb endet die Anlage mitten in der verfügbaren Fläche bei 200m Abstand zur Autobahn. Ein Baugenehmigungsverfahren wurde so nicht mehr erforderlich. Aber es verschiebt Verantwortung für die Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen zu den Projektverantwortlichen. Also nicht weniger Arbeit für uns – aber weniger Wartezeit auf Verwaltungen und Gremien, die die Projektgesellschaft sehr engagiert und immer positiv unterstützt haben.

Wir Besucher waren sehr beeindruck von diesem innovativen, mutigen Projekt und haben die beiden Akteure mit allerlei Fragen nach der Einführung, beim Rundgang und danach gelöchert. Herzlicher Dank an Sarah und Daniel!

Thomas Bergunde /LA21HN

Bildrechte:
Grafiken Daniel Knoll
Fotos Thomas Bergunde