Kreislaufwirtschaft – Gamechanger im Klimaschutz ? Europäischer und regionaler Anspruch, Herausforderungen, Lösungen und konkrete Praxisbeispiele

Diesem zugleich spannenden, kritischen und für Heilbronn konkreten Thema widmete sich der kürzliche Klima- & Energiedialog Heilbronn am 18.März – zu Gast in der vhs im Deutschhof.

Im Mittelpunkt stand ein Übersichtsvortag von Claudius Güther, dem Leiter der CR*-Abteilung der PreZero Stiftung (*: Corporate Responsibility) über Abfallentsorgung und Kreislaufwirtschaft. Das Unternehmen ist in 10 europäischen Ländern mit 30 Tausend Mitarbeitern aktiv und stellt 7.7 Mio Tonnen wiederverwertbares Rezyklat aus Abfall von 40 Mio Menschen her. Der Anspruch dabei ist, das ökologisch nachhaltige Arbeiten auszuweiten und wirtschaftlich zu gestalten. Das System der Kreislaufwirtschaft (s. Abb.) beginnt bereits beim Design des jeweiligen Produktes (Materialien, deren Verbund, Demontagefähigkeit, Verpackung) und geht bis zur möglichst sortenreinen Sammlung an seinem Lebensende und zur Gewinnung von Sekundärrohstoffen.

Wie wird in Deutschland entsorgt und was kostet es? Nur 17,40€ Beitrag fallen jährlich pro Bürger für (Leicht)Verpackungen im Rahmen der Dualen Systeme (z.B. gelber Sack) an. Für Bio- und Restmüll sind es regional spezifisch jährlich 70-120€ pro Bürger im Durchschnitt. Die Herausforderung dabei ist so einfach wie limitierend: Fehlwürfe von Rest- oder Biomüll, die im gelben Sack durchschnittlich bis 30% erreichen, erschweren das mechanische Recycling des enthaltenen Materials. Im Ergebnis wurden in Deutschland 2023 68,5% der bei dualen Systemen gemeldeten Kunststoffverpackungen einer werkstofflichen Verwertung zugeführt. Der Anteil des eingesetzten Rezyklates, sogenannter Sekundärrohstoffe, beträgt in Deutschland – über alle Materialien hinweg – nur 13%. Neben dem Recycling werden Abfälle oft thermisch verwertet. Die entstehende Abwärme unterstützt die Wärmeerzeugung zu über 16%. Modellhaft werden so ca. 105 Mio Tonnen CO2 (gegenüber Stand 1990) eingespart – durch das Rezyklat und den Bioanteil im verbrannten Restmüll.

Dieser Rezyklatanteil ist noch zu gering. Wie kann er erhöht und „das Beste“ rausgeholt werden? PreZero geht vom Potential aus, diesen Anteil zu verdoppeln durch:

  • industrielle Abfälle konsequent sortenrein (!) zu sammeln, als Wertstoff weiter zu verarbeiten
  • die Müll- und Materialtrennung im privaten Haushalt weiter zu verbessern durch Aufklärung
  • die technischen Verbesserungen der Müllsortieranlagen
  • geschlossene Materialkreisläufe (z.B. für Verpackungen)
  • steigende Nachfrage vom (Finanz-&Versicherungs-)Markt zu nachhaltigem Wirtschaften und dessen Kennzahlen (z.B. vermiedene Treibhausgase, Stromerzeugung, Recyclingquote).

Im Rahmen der ausführlichen Diskussion wurden noch zwei konkrete Praxisbeispiele für eine saubere Stadt und weniger Verpackungsmüll vorgestellt:

  • das neue Projekt „FeierWerk“ der Firma local-to-go aus Cleebronn gemeinsam mit der Klimastiftung der Kreissparkasse Heilbronn (nachhaltig feiern für gemeinnützige Organisationen ohne Einweggeschirr).
  • die geplanten Mehrweginitiative des lokalen Nachhaltigkeitsbüros der Stadtverwaltung für die Heilbronner Gastronomie (Werbung und Erklärung für Mehrweg- statt Einweggeschirr)

Alle drei Vorträge finden Sie hier zum Download, Nachlesen, Nachdenken, Weitersagen.
Kreislaufwirtschaft Deutschland
Mehrweginitiative Heilbronn
Feierwerk – Mehrwegverleih

Thomas Bergunde /LA21 HN