Der tägliche (Verkehrs)Wahnsinn in der nördlichen Innenstadt – aktuelle Impressionen

Anwohnerinnen und Anwohner der nördlichen Innenstadt haben über die Weihnachtsfeiertage mal beispielhaft in kurzen Videoclips festgehalten, was sie so täglich an (Auto)Verkehrswahnsinn erleben.

Finden Sie nicht auch, dass sich da Fragen aufdrängen, wie zum Beispiel  …..

… wem gehört eigentlich die (Innen)Stadt bei fast 50 Tausend Fahrzeugen insgesamt  im Transit (HNSt. vom 21.12.2018)? Ist sie eine automobile Durchfahrtkulisse? 

… oder gehört sie vor allem dem Einzelhandel und der Gastronomie der Innenstadt – mit Parkplätzchen flächendeckend auf Straßen und Höfen gut versorgt und bei bis zu 14 Tausend Fahrzeuge täglich durch die Gerberstraße (HNSt. vom 20.7.2018) mit Kunden eigentlich auch?
Pech nur, dass die Einzelhändler grad zu begreifen beginnen, dass es keinen Zusammenhang gibt zwischen mehr-Autos-vor-mein-Geschäft und ihrem Umsatz – wie bei den Workshops zum  neuen „Masterplan Innenstadt“ im Sommer mehrfach zu hören war! 

… warum werden die ausreichenden Parkhäuser und -flächen im Umfeld der Heilbronner Innenstadt (~5000 Plätze!) eigentlich nicht so genutzt, dass die Straßen, Wege und Höfe für uns Menschen frei sind?

… warum werden die Durchfahrt durch die Gerberstraße und der ausufernde Parksuchverkehr als fachlich anerkanntes Haupthemmnis der Heilbronner Innenstadtentwicklung nicht zügig unterbunden, um dann Raum zu schaffen für eine schrittweise Neuordnung der öffentlichen Flächen der Stadt – unserem höchsten Gut?

… wie viel ist uns unsere automobile Bequemlichkeit und Gewohnheit eigentlich wert? Ist der Niedergang der eigenen Innenstadt, die Belastung und Verdrängung der darin Wohnenden, die schlechte Luft usw. im Preis inbegriffen?

.. oder gehört die (Innen)Stadt nicht vielleicht doch den Menschen, die darin wohnen, arbeiten, einkaufen, sie damit finanzieren(!) und sich in ihr entspannen? Sollte man nicht dem alles unterordnen?

Vielleicht sollten wir uns in Heilbronn mehr um den rasanten Strukturwandel der Lebenskultur, der Bedürfnisse, des Einzelhandels, unserer Mobilität und um die dazu passende Aufenthaltsqualität und Struktur unserer Innenstadt kümmern, Neues ausprobieren – damit sie überlebt und besser wird – statt ängstlich abzuwarten und zaghaft zu reagieren, wenn es gar nicht mehr geht?

Und wir dürfen ruhig auch mal die Frage stellen: Was ist eigentlich die (schlafende) Riesen-Qualität unserer Innenstadt und was kann sie viel besser sein als z.B. das sterile Bräuninger Land – damit die Menschen aus Stadt und Land wieder hierher zum Shoppen, Flanieren und Feiern kommen?

Das sind Fragen, die mir halt so eingefallen sind beim Betrachten der Videos, angereichert mit eigenen Erfahrungen und Sehnsüchten. Entschuldigung bitte, wenn sich jemand beunruhigt oder provoziert fühlt. Vielleicht war das beabsichtigt?

Mit herzlichem Gruß

Ihr Thomas Bergunde
Sprecher Lokale Agenda 21 Heilbronn